Sensomotorische Einlagen: Für eine bessere Körperhaltung & weniger Schmerzen


Sensomotorische Einlagen sind nicht mit herkömmlichen orthopädischen Einlagen zu vergleichen, denn sie wirken durch sogenannte “neurodynamische Stimulation” aktiv auf die Ursache vieler orthopädischer Beschwerden. So korrigieren sie Fehlbelastungen gezielt und helfen dabei, gesunde Bewegungsabläufe aufzubauen.
Person beim Wandern. Von der Ferse bis hoch zur Wade heben Markierungen den Wirkungsbereich von sensomotorischen Einlagen hervor.

Du möchtest nicht nur Symptome lindern, sondern deinen ganzen Körper wieder in die richtige Balance bringen? Dann könnten sensomotorische Einlagen für dich das richtige sein. Hier beantworten wir die wichtigsten Fragen rund um sensomotorische Einlagen für Erwachsene und Kinder!

Was sind sensomotorische Einlagen?

Sensomotorische Schuheinlagen werden auch als “propriozeptive oder neurodynamische Einlagen” bezeichnet. Es handelt sich um eine dünne Einlegesohle für die Schuhe, die durch aktive Stimulation der Nerven gezielt gegen die Ursachen von neuromuskulären Beschwerden wirkt und dabei ein ganzheitliches Prinzip verfolgt.

Denn unser Körper ist ein komplexer Organismus, in dem alles miteinander verbunden ist. Sensomotorische Schuheinlagen werden mit Pelotten ausgestattet, die ein individuelles Einlagenrelief bilden. Dieses Relief wirkt sich auf die Tiefenwahrnehmung unseres Gehirns aus und aktiviert oder hemmt je nach vorliegender Indikation bestimmte Muskeln.

Das passiert dabei im Gehirn 🧠

Vor jeder Muskelaktivierung führt unser Gehirn eine Zustandsaufnahme durch, in der verschiedene Parameter wie beispielsweise die Position der Gelenke und die aktuelle Muskelspannung gemessen werden. Die ermittelten Informationen bestimmen darüber, wie stark die Muskulatur aktiviert oder entspannt wird.

Die Stimulationszonen der Einlegesohlen beeinflussen diese Parameter und greifen auf diese Weise gezielt in die vom Gehirn gesteuerte Muskelaktivität ein, um Bewegungsabläufe zu optimieren. Durch ständige Wiederholungen werden fehlerhafte Bewegungsmuster im Gehirn förmlich neu programmiert und durch gesunde Bewegungsmuster ersetzt.

Was ist der Unterschied zwischen sensomotorischen und orthopädischen Einlegesohlen?

Herkömmliche orthopädische Einlagen gleichen Fehlstellungen passiv aus und lindern Schmerzen. Sie haben aber keine zielgerichtete sensomotorische Wirkung auf eine definierte Muskelgruppe.

Was bewirken die Einlagen?

Die sensorischen Impulse wirken im gesamten Körper und beeinflussen die Höhe der Spannung in den verschiedenen Muskeln sowie die Stellung der Gelenke. So können verspannte Muskeln gelöst, Muskelpartien präzise aktiviert und die gesamte Körperhaltung verbessert werden.

Produktfoto einer sensomotorischen Einlage von Schein
@ Schein Orthopädie Service KG

Die verschiedenen Stimulationszonen der Sohle greifen auf unterschiedlichen Ebenen in die natürliche Biomechanik ein. So können die Impulse im Bereich der Zehen die Wahrnehmung und Koordination positiv beeinflussen, während Impulse im Mittelfußbereich gezielt die Muskeln der Wade entspannen und damit auch eine Entlastung der Achillessehne erreichen.

Weitere Stimulationszonen regulieren die Muskelaktivität am Schienbein und am Wadenbein. Damit können sie Fehlstellungen der Füße und Beinachse korrigieren und stabilisieren darüber hinaus das Sprunggelenk, um das Risiko des Umknickens zu reduzieren. Durch das regelmäßige Tragen können Fehlhaltungen, muskuläre Dysbalancen und sportartspezifische Probleme nach und nach ausgeglichen und behoben werden. Schmerzen verschwinden und Patient:innen freuen sich über den Zugewinn an Fitness und Lebensqualität.

Füße mit Markierungen an möglichen Druckpunkten und Beschwerden
© Shutterstock

Wann sind sensomotorische Einlagen hilfreich?

Sensomotorische Einlagen können bei einer Vielzahl an Beschwerden hilfreich sein. Dazu gehören neurologische Probleme, Fußfehlstellungen sowie typische Belastungsfolgen und Dysbalancen der Muskeln, die bei bestimmten Sportarten auftreten.

Hier einige Beispiele:

  • Fußfehlstellungen wie Plattfuß, Hohlfuß, Knickfuß oder Knick-Senkfuß
  • Neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Spastiken oder Lähmungen
  • Störungen von Koordination und Bewegungsabläufen
  • Sensomotorische Wahrnehmungsstörungen
  • Allgemein bei Knieproblemen und Rückenbeschwerden
  • Fehlstellungen der Zehen
  • Probleme mit Fersensporn
  • Läufer:innen mit innen- oder außenrotierendem Gangbild
  • Typische Sportprobleme wie Achillessehnenreizungen
  • Schienbeinkantensyndrom oder Patella-Spitzen-Syndrom
  • Zur Vorbeugung bei rotationsgefährdeten Sportarten wie Fußball und Tennis

Übrigens: Sensomotorische Einlagen können auch bei Kindern verwendet werden.

Wer fertigt diese Einlagen an und wo bekommt man sie?

Der Wirkmechanismus von sensomotorischen Schuheinlagen ist sehr komplex und es braucht umfangreiche Fachkenntnisse, um sie herzustellen. Die Einlagen erhältst du in spezialisierten Sanitätshäusern. Sie werden von speziell ausgebildeten Orthopädietechniker:innen individuell angefertigt, so dass keine Einlage der anderen gleicht.

In unserer Sanitätshaussuche findest du Sanitätshäuser in deiner Nähe!

 

Hinweis: Nicht alle Filialen bieten alle Services an. Wir empfehlen, vorher Kontakt aufzunehmen, ob das Haus eine Lösung für deinen individuellen Fall hat.

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Der Ablauf im Sanitätshaus

Ebenso wichtig wie die Einlagen selbst ist das Analyseverfahren zur Erhebung aller medizinischen und anatomischen Daten, die für die Herstellung erforderlich sind. Dazu führen qualifizierte Bewegungsanalytiker:innen eine Reihe an Untersuchungen durch. Neben einem ausführlichen Anamnesegespräch wird der Fuß digital gescannt und eine Fußdruckmessung sowie eine digitale Lauf- und Bewegungsanalyse vorgenommen.

Zudem wird die Stellung der Füße, der Beine und des Beckens manuell überprüft. Bringe zu deinem Termin im Sanitätshaus am besten Schuhe mit, die du im Alltag häufig trägst, damit diese begutachtet werden können.
Deine Daten werden gespeichert, um sie später zur Beurteilung des Therapieerfolges heranziehen zu können.

Wer verschreibt die sensomotorischen Einlagen?

Die Einlagen können ärztlich verschrieben werden. Krankenkassen übernehmen allerdings meist gar keine oder nur einen Teil der Kosten. Sprich dazu am besten mit deiner Krankenkasse und / oder dem Fachpersonal im Sanitätshaus. Über unsere Sanitätshaussuche findest du Filialen in deiner Umgebung. Selbstverständlich kannst du die Einlegesohlen auch ohne Rezept vom Arzt erwerben und privat bezahlen.

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Was kosten die Einlagen?

Das Analyseverfahren und die Herstellung sensorischer Einlagen sind sehr zeitaufwändig und verlangt ein umfangreiches und interdisziplinäres Fachwissen. Daher kosten sie auch etwas mehr als normale orthopädische Einlagen. In der Regel kann man mit Preisen von 250 bis 300 Euro für ein Paar rechnen. Meist sind die weiteren Termine zur Kontrolle und Anpassung im Preis enthalten.

Produktfoto einer sensomotorischen Einlage von Schein
@ Schein Orthopädie Service KG

Welche Unterschiede gibt es in den Modellen?

Es gibt verschiedene Modelle, die für unterschiedliche Indikationen konzipiert wurden. So stimulieren manche in erster Linie die Fußmuskulatur, während andere die Statik von Becken und Wirbelsäule ansprechen. Die Fachberater:innen zeigen dir die Modelle und erläutern ihre Einsatzbereiche.

Was ist beim Tragen zu beachten?

Auch wenn die Einlagen unscheinbar aussehen: Sie haben es in sich! Selbst wenn du bereits orthopädische Einlagen getragen hast, ist die Umgewöhnung von Bewegungsabläufen durch die sensomotorischen Impulse für den Körper sehr anstrengend. Trage die Einlegesohlen daher zunächst am besten nur stundenweise und steigere die Tragezeit schrittweise.

Lass deine sensomotorischen Einlagen nach zwei bis vier Wochen im Sanitätshaus kontrollieren und berichte dem Team vor Ort von deinen persönlichen Erfahrungen. Bei Bedarf können die Einlagen noch einmal angepasst und die Stimulation etwas abgemildert werden, sollte sie für den Anfang zu stark sein.

Welche Erfahrungsberichte gibt es?

Sensomotorische Einlagen werden an die Anatomie und die Beschwerden jedes Menschen angepasst, daher sind auch die Erfahrungsberichte sehr individuell. Viele Patient:innen sind überrascht über die intensive Wirkung der Einlagen. Manche berichten über Ermüdungserscheinungen der Füße, die sich nach einer gewissen Tragedauer einstellten. Wer die Sohlen direkt den ganzen Tag lang tragen wollte, hatte danach häufig Muskelkater.

Diese Reaktionen sind völlig normal, denn der Körper muss viele Bewegungsabläufe ganz neu lernen. Schon nach kurzer Zeit bemerken die meisten Patient:innen jedoch, dass die Einlagen ein sicheres Gefühl beim Laufen vermitteln und dem Sprunggelenk einen guten Halt geben. Viele Patient:innen machen die Erfahrung, dass sich die Körperhaltung aufrechter und gesünder anfühlt und dass typische Probleme wie Knieschmerzen zunehmend verschwinden.

 

Bildnutzung mit freundlicher Genehmigung von Schein Orthopädie Service KG.