Medizinische Kompressionsstrümpfe: 10 häufige Fragen & wissenswerte Fakten
1. Was sind medizinische Kompressionsstrümpfe?
Zunächst einmal möchten wir die Frage klären, was medizinische Kompressionsstrümpfe überhaupt sind. Es handelt sich dabei um lange Strümpfe mit Kompressionseffekt, die zu therapeutischen Zwecken verwendet werden – beispielsweise bei Thrombose, Krampfadern, Venenentzündungen oder Lymphödemen. Sie sind in verschiedenen Kompressionsklassen und Größen erhältlich und werden vom Arzt verschrieben und im Sanitätshaus angepasst. Dank vielseitiger Farben und Garne passen Kompressionsstrümpfe zu jedem Look und müssen bei der Wahl des Outfits nicht mehr versteckt werden!
Es wird zwischen zwei Varianten unterschieden:
Flachstrick
Flachgestrickte medizinische Kompressionsstrümpfe kommen vor allem in der Therapie von Lipödemen und Lymphödemen zum Einsatz. Sie werden zur Schmerzreduktion eingesetzt und beugen in der zweiten Phase der Komplexen Physikalischen Entstauungstherapie (KPE) der sogenannten Erhaltungsphase mit ihrem kräftigen Material einer erneuten Ansammlung von Flüssigkeit im Gewebe vor.
Die besondere Eigenschaft flachgestrickter medizinscher Kompressionsstrümpfe entsteht durch das kräftige Material: Aufgrund der sogenannten Wandstabilität sind sie weniger dehnbar als rundgestrickte Strümpfe. Ihren individuellen Charakter erhalten flachgestrickte Kompressionsstrümpfe durch das Verstricken mehrerer unterschiedlicher Strickfäden in verschiedenen Stricksystemen. Der Kompressionsfaden wird in jede Reihe lose eingelegt.
Rundstrick
Rundgestrickte medizinische Kompressionsstrümpfe werden mit einer Rundstrickmaschine auf einem runden Zylinder schlauchförmig und nahtlos gestrickt. Die Maschenanzahl jeder Reihe ist in der Regel identisch.
Die Größe, die anatomische Form und der Druckverlauf des rundgestrickten medizinischen Kompressionstrumpfes ergeben sich unter anderem durch Strickmaschinen mit verschiedenen Durchmessern und Nadelzahlen, die variable Maschengröße, die Anzahl der gestrickten Reihen und die unterschiedliche Vorspannung des Kompressionsfadens. Dadurch sind der Formgebung des rundgestrickten medizinischen Kompressionsstrumpfes Grenzen gesetzt.
2. Wie wirken Kompressionsstrümpfe und wofür sind sie gut?
Durch einen gezielten und modulierten Druckverlauf werden erweiterte Gefäße sanft, aber wirkungsvoll zusammengedrückt. Die Kompression ist dabei im Bereich der Fessel am stärksten. In Richtung Oberschenkel nimmt sie ab – hier beträgt sie am Ende nur noch 40 Prozent. Dies fördert den Rücktransport des Blutes zum Herzen. Ohne Kompressionsstrümpfe sammelt sich im Laufe eines Tages außerdem Flüssigkeit in den Beinen an – die bekannte und unangenehme Folge: Sie schwellen an. Dieser Effekt wird durch den Druck der Kompressionsstrümpfe reduziert oder sogar vollständig verhindert.
3. Thrombosestrümpfe vs. Kompressionsstrümpfe: Der Unterschied
Im Alltag werden die Begriffe Thrombosestrumpf und Kompressionsstrumpf oft synonym verwendet. Tatsächlich gibt es Gemeinsamkeiten zwischen beiden, jedoch auch erhebliche Unterschiede:
Zwar üben beide einen gewissen Druck auf die Venen aus, um die Durchblutung zu erleichtern, dabei haben medizinische Kompressionsstrümpfe allerdings einen genau definierten Druckverlauf und werden individuell angepasst. Für eine optimale Wirkung brauchen sie die Aktivität der Wadenmuskulatur – man spricht hier von Arbeitsdruck. Daher sollte man sich beim Tragen der Kompressionsstrümpfe möglichst immer wieder etwas bewegen.
Thrombosestrümpfe hingegen kommen bei bettlägerigen Patient:innen zum Einsatz, die sich nicht bewegen können oder dürfen. Sie werden beispielsweise nach einer Operation oder auch bei Pflegebedürftigen verwendet. Die Kompression hilft dabei, der Bildung eines Blutgerinnsels (Thrombose) vorzubeugen. Thrombosestrümpfe sind in der Regel weiß und haben einen offenen Zehenbereich.
4. Stützstrümpfe vs. Kompressionsstrümpfe: Der Unterschied
Bei den medizinischen Kompressionsstrümpfen handelt es sich um ein medizinisches Hilfsmittel.
Damit unterscheiden sie sich von herkömmlichen Stützstrümpfen, die nur eine leichte Kompression bieten und angewendet werden, um müde Beine bei langem Stehen zu verhindern. Die medizinische Variante dagegen wird vom Arzt zur Therapie von Erkrankungen verschrieben und hat eine deutlich stärkere Wirkung. Zur Behandlung von Erkrankungen sind gewöhnliche Stützstrümpfe nicht geeignet.
5. Können Kompressionsstrümpfe auch schaden?
Bei bestimmten Erkrankungen sollte man auf das Tragen von Kompressionsstrümpfen verzichten. Dazu gehören bestimmte Durchblutungsstörungen der Beine, Diabetes, das diabetische Fußsyndrom, Wundrose oder eine fortgeschrittene Herzschwäche.
Bei der richtigen Indikation können korrekt angepasste Strümpfe nicht schaden. Es ist jedoch sinnvoll, auf die Hautpflege zu achten und die Beine abends nach dem Ablegen der Strümpfe mit einer feuchtigkeitsspendenden Creme zu behandeln. So können Sie trockener Haut und Irritationen vorbeugen.
6. Wie lange soll man medizinische Kompressionsstrümpfe tragen?
Die Strümpfe werden in der Regel tagsüber getragen. Das heißt: Du ziehst deine Kompressionsstrümpfe morgens an und abends wieder aus, bevor du schlafen gehst.
7. Wo kann man medizinische Kompressionsstrümpfe kaufen?
Medizinische Kompressionsstrümpfe findest du im Sanitätshaus deines Vertrauens. Die fachlich qualifizierten Mitarbeiter:innen messen deine Beine dazu an verschiedenen Stellen aus und dokumentieren die Daten. Auf Basis dieser Werte werden die Strümpfe in der passenden Größe und in der vom Arzt verschriebenen Klasse ausgesucht. In manchen Fällen werden Kompressionsstrümpfe auch maßangefertigt. Aus diesem Grund solltest du dich unbedingt im Sanitätshaus beraten lassen.
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8. Was sollte man beim Kauf beachten?
Achte darauf, medizinische Kompressionsstrümpfe und nicht etwa einen herkömmlichen Stützstrumpf zu kaufen. Echte medizinische Kompressionsstrümpfe erkennst du am RAL-Gütezeichen. Bei vom Arzt verschriebenen Kompressionsstrümpfen wird ein Großteil der Kosten von der Krankenkasse übernommen. Für den Kauf der Strümpfe wendest du dich dann an dein Sanitätshaus. Am besten sollte der Besuch in den Morgenstunden sein, denn zum Nachmittag oder Abend hin können die Beine bereits anschwellen. So können die Sanitätshaus-Fachangestellten die richtigen Maße nehmen.
9. Wie viele Kompressionsstrümpfe stehen dir pro Jahr zu?
Ärztlich verschriebene Kompressionsstrümpfe sollten täglich getragen werden und halten etwa ein halbes Jahr lang. Danach kann die Kompression durch das Tragen und Waschen langsam nachlassen. Daher kannst du alle sechs Monate beziehungsweise zweimal pro Jahr* ein neues Paar Kompressionsstrümpfe auf Rezept erhalten (sogenannte Wiederversorgung.)
Es ist aber häufig sinnvoll, zumindest zwei Paar der Strümpfe gleichzeitig in Nutzung zu haben, damit du ein Ersatzpaar hast, wenn das andere gewaschen werden muss. Man spricht hier von Wechselversorgung. In manchen Fällen können aus hygienischen Gründen direkt zwei Paar medizinische Strümpfe verschrieben werden. Solltest du nur ein Rezept für ein Paar Strümpfe erhalten, kannst du selbstverständlich ein zweites oder drittes Paar kaufen und privat bezahlen.
*Stand Mitte 2026
10. Wie zieht man Kompressionsstrümpfe richtig an?
Wenn du das erste Mal Kompressionsstrümpfe anziehst, kann das eine kleine Herausforderung sein. Gedulde dich und lasse dir am besten etwas Zeit dafür!
So geht´s:
- Strumpf vorbereiten
Den Strumpf von oben bis zur Ferse nach innen stülpen, sodass nur noch der Fußteil sichtbar ist.
- Fuß richtig einsetzen
Mit den Zehen zuerst in den Fußteil schlüpfen und darauf achten, dass die Ferse exakt sitzt.
- Über den Spann ziehen
Den Strumpf gleichmäßig über den Fuß ziehen, ohne stark zu ziehen oder zu zerren.
- Stück für Stück nach oben arbeiten
Den restlichen Strumpf in kleinen Abschnitten nach oben abrollen hochstreifen.
Wichtig: Nicht einfach hochziehen, sondern immer wieder neu greifen und verteilen.
- Falten glattstreichen
Mit flachen Händen den Strumpf am Bein anmodellieren.
Dabei darauf achten:
• Keine Falten
• Keine Verdrehungen
Tipp:
Im Sanitätshaus gibt es praktische Anziehhilfen. Lasse dich beim Kauf deiner Kompressionsversorgung am besten auch zu den Anziehhilfen beraten.
Die verschiedenen Kompressionsklassen
Der Arzt verschreibt dir je nach Art und Ausprägung der Erkrankung eine bestimmte Kompressionsklasse. Insgesamt gibt es vier Klassen – je höher die Klasse, desto stärker der Druck und damit die Wirkung der Kompression. Anbei eine Übersicht, wobei der Druck in Millimeter-Quecksilbersäule angegeben wird – eine medizinische Einheit zur Angabe des Druckes bei Körperflüssigkeiten.
| Kompressionsklasse | Druck |
| Kompressionsklasse I | 18–21 mmHg |
| Kompressionsklasse II | 23–32 mmHg |
| Kompressionsklasse III | 34–46 mmHg |
| Kompressionsklasse IV | > 49 mmHg |
Hinweise & Disclaimer:
Die auf dieser Seite bereitgestellten Informationen ersetzen keine ärztliche Diagnose. Lass anhaltende oder starke Beschwerden bitte medizinisch abklären.