Lymphödem als Folgeerkrankung nach einer Brustkrebsbehandlung


Lymphödeme sind dank neuer Ansätze in der Brustkrebsbehandlung seltener geworden. Die Rate der Frauen, bei der sich nach einer Brustoperation ein Lymphödem entwickelt, beträgt etwa 20 – 30 Prozent. Häufig entstehen sie noch Jahre nach der Brustkrebsbehandlung. Es ist daher wichtig, die Symptome zu erkennen und das Ödem unmittelbar zu behandeln.
Achsel mit Narbe auf Brusthöhe

Unser Lymphsystem in Kürze

Das Lymphsystem verläuft entlang der Arterien und Venen durch unseren Körper und transportiert Wasser und Abfallstoffe, die sich zwischen den Körperzellen in unserem Gewebe sammeln (z.B. Eiweiße, Zellreste, Stoffwechselprodukte, Krankheitserreger oder auch Krebszellen), ab. Die Abfallstoffe werden über die auf den Laufbahnen zwischengeschalteten Lymphknoten herausgefiltert und über die Niere ausgeschieden. Die gefilterte Lymphflüssigkeit (Lymphe) wird schließlich in die Blutbahn abgegeben.

💡 Die Lymphflüssigkeit stammt vom lateinischen Wort Lympha und lässt sich mit „klares Wasser“ übersetzen. Tatsächlich ist die Farbe der Lymphflüssigkeit eher milchig gelblich. Pro Tag produziert unser Organismus zwei bis drei Liter Lymphflüssigkeit.

Lymphödem nach einer Brustkrebserkrankung

Schafft das Lymphsystem es nicht, genügend Lymphflüssigkeit in das Venensystem abzuleiten, staut sich die Flüssigkeit im Gewebe. Die Anschwellung des Gewebes nennt man Lymphödem. Lymphödeme können angeboren sein und ab Geburt oder zu einem späteren Alter auftreten (primäres Lymphödem). Häufiger ist es jedoch der Fall, dass das ursprünglich intakte Lymphsystem im Laufe des Lebens beschädigt wird, wie etwa infolge einer operativen Entfernung von Lymphknoten während einer Brustkrebsoperation (sekundäres Lymphödem).

Nach einer Brustkrebsoperation können Lymphödeme im Brustbereich oder im Bereich der Arme und Hände auftreten. Moderne brusterhaltende Maßnahmen reduzieren dieses Risiko. Du kannst jedoch nicht immer ausschließen, dass Lymphgefäße zerstört bzw. Lymphknoten entfernt werden müssen. Besonders hoch ist die Wahrscheinlichkeit bei Operationen mit anschließender Bestrahlung. Da Lymphknoten häufig erst mit größerem zeitlichem Abstand zur Operation in Erscheinung treten, ist es wichtig, die betroffenen Stellen genau zu beobachten. Denn bleiben Ödeme unbehandelt, entwickelt sich zunehmend eine Verhärtung des Gewebes, die zu einer chronischen Entzündung führen kann.

Symptome von Lymphödemen

Lymphödeme sind nicht immer leicht zu identifizieren, folgende Anzeichen können jedoch auf einen Gewebeschaden hindeuten:

  • Schwellung der betroffenen Stelle
  • Schwere- oder Wärmegefühl im Arm
  • Verminderte Beweglichkeit der Gliedmaßen
  • Bildung einer Delle nach Druck auf die betroffene Stelle

Je früher ein Lymphödem erkannt wird, desto höher sind die Erfolgschancen der Rückbildung. Bei Verdacht sollte daher umgehend ärztlicher Rat eingeholt werden.
 

Die Stadien des Lymphödems:

Stadium 0: Lymphgefäße sind geschädigt, keine äußeren Anzeichen
Stadium I: weiche Konsistenz, Hochlagern reduziert die Schwellung
Stadium II: sekundäre Gewebeveränderungen, Hochlagern reduziert die Schwellung nicht
Stadium III: verhärtete Schwellung, Hautveränderungen sind möglich

Wodurch wird die Entstehung chronischer Lymphödeme nach einer Brustkrebstherapie begünstigt?

In einer Studie, die 2022 veröffentlicht wurde, haben Wissenschaftler:innen Risikofaktoren identifiziert, welche die Wahrscheinlichkeit der Entstehung chronischer Lymphödeme nach einer Brustkrebsbehandlung erhöhen. Neben der bereits aufgeführten operativen Entfernung von Lymphknoten und der postoperativen Bestrahlung ist ein hoher Body-Mass-Index ein weiterer Faktor, der ein (chronisches) Lymphödem begünstigt. Keinen Einfluss haben lt. Studie Bluthochdruck, Lebensalter, Diabetes, Rauchen oder das operative Entfernen der Brust.

Vorbeugung von Lymphödemen

Der Bundesverband Frauenhilfe nach Krebs e.V. führt in seinem Ratgeber „Krebs und Lymphödem“ verschiedene Maßnahmen zur Vorbeugung auf. Er weist gleichzeitig aber auch darauf hin, dass keine wissenschaftlichen Nachweise vorliegen, dass damit das Risiko der Entwicklung eines Lymphödems sicher zu senken oder gar zu verhindern ist (verkürzte Aufzählung).

Bei der Arbeit/im Haushalt:

  • kein schweres Heben oder Tragen
  • keine mehrstündige monotone manuelle Tätigkeit
  • keine langandauernde Tätigkeit ohne Haltungswechsel des Armes
  • Überanstrengung vermeiden
  • starke Hitze und Kälte meiden (u. a. kein heißer Abwasch)
  • Verletzungen vermeiden

Kleidung:

  • auf breite Träger oder weiche Bündchen achten (kein Einschnüren)
  • keine engen Ringe auf der Seite des betroffenen Armes tragen
  • Armbanduhr am gesunden Arm tragen

Körperpflege:

  • keine reizenden, allergisierenden Kosmetika
  • keine langen Vollbäder
  • auf guten Sonnenschutz achten

Sport:

  • starke Anstrengung vermeiden
  • keine überdehnenden oder zerrenden Bewegungen

Ernährung:

  • wenig Salz verwenden
  • Alkoholkonsum reduzieren
  • fetthaltige Gerichte meiden
     

Bei Patientinnen mit einer Brustkrebserkrankung ist Sport förderlich für den Lymphabfluss. Empfohlen werden Sportarten mit fließenden Bewegungen, wie etwa Schwimmen, Wassergymnastik, Radfahren oder Nordic Walking. Lt. Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums gelten 150 Minuten pro Woche als empfohlener Richtwert.
 

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Um dem Risikofaktor Übergewicht vorzubeugen, ist eine ausgewogene Ernährung wichtig. Eine spezielle Diät gibt es dabei nicht. Eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung fettarmer und salzreduzierter Kost unterstützt das Lymphsystem und hält die Lymphgefäße gesund. Wichtig ist es ebenso, ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen.

KPE-Behandlung bei Lymphödemen

Solange das Lymphödem weich ist (Stadium I und II), wird die Komplexe Entstauungstherapie (KPE) angewendet, um eine Abschwellung der betroffenen Stelle zu erzielen. Schwere Lymphödeme (Stadium III) werden stationär behandelt.

Zunächst wird durch die manuelle Lymphdrainage, einer speziellen Massagetechnik, das Lymphsystem angeregt, so dass die gestaute Lymphflüssigkeit wieder durch die Lymphgefäße abtransportiert werden kann. Ist diese Maßnahme erfolgreich abgeschlossen, folgt die Kompressionstherapie zum Erhalt des Zustandes. Das Wort Kompression leitet sich vom lateinischen Wort „Compressio“ ab und bedeutet „zusammendrücken“. Mithilfe von Kompression wird der Lymphfluss unterstützt und bei Bewegung massiert. Sorgfältige Hautpflege (Lymphödeme sind anfällig für Infektionen), sportliche Betätigung und eine gesunde Ernährung begleiten den Behandlungsweg.
 

Hilfsmittel und Versorgung bei Lymphödemen

Um den Abtransport der Lymphflüssigkeit nach einer Brustkrebsbehandlung zu fördern und das Gewebe zu entlasten, ist der Einsatz medizinischer Hilfsmittel ein wesentlicher Bestandteil der Therapie. Diese dienen dazu, den therapeutischen Erfolg der manuellen Lymphdrainage langfristig zu unterstützen.

Kompressionsversorgung und Prothetik

Je nach Stadium des Ödems und dem betroffenen Bereich kommen unterschiedliche Hilfsmittel zum Einsatz, um die Beschwerden zu lindern:

  • Kompressions-BHs: Diese zeichnen sich durch eine nahtlose Verarbeitung und breite Träger aus. Ziel ist es, Einschnürungen im Schulter- und Achselbereich zu vermeiden, die den Lymphfluss zusätzlich behindern könnten.
     
  • Druckpelotten: Spezielle Einlagen (Lymph-Flow-Pelotten) können punktuell den Druck erhöhen. Durch ihre strukturierte Oberfläche erzeugen sie bei Bewegung einen leichten Massageeffekt, der verhärtetes Gewebe lockert.
     
  • Anpassbare Ausgleichsprothesen: Da das Volumen der Brust oder des Thorax (Brustkorb) bei einem Lymphödem schwanken kann, ermöglichen moderne Prothesen mit Luftkammertechnologie eine individuelle Anpassung. So können Umfangsunterschiede jederzeit ausgeglichen werden.

Ein wirksames Hilfsmittel muss präzise auf die individuelle Anatomie abgestimmt sein. In einem Sanitätshaus erfolgt eine professionelle Vermessung und Beratung durch Fachpersonal. Dies stellt sicher, dass die Kompression den optimalen Druck ausübt, ohne die Haut zu reizen oder den Rückfluss der Lymphe zu stauen. Zudem erhalten Betroffene dort Informationen zur korrekten Handhabung und Hautpflege.

Häufige Fragen zum Lymphödem nach Brustkrebs

Hinweise & Disclaimer:

Die auf dieser Seite bereit gestellten Informationen ersetzen keine ärztliche Diagnose. Lass anhaltende oder starke Beschwerden bitte medizinisch abklären.