Diagnose Kompression

Lymphstau: Ursachen, Symptome und Behandlung


Geschwollene, schwere Beine und Arme – viele kennen diese Beschwerden. Oft steckt ein Stau von Lymphflüssigkeit dahinter. Lymphstau bedeutet: Das Lymphsystem schafft den Abtransport nicht mehr, Flüssigkeit sammelt sich im Gewebe und es kommt zu prall wirkenden Schwellungen. Hier erfährst du, wie ein Lymphödem entsteht, wie es behandelt wird und was du zur Entlastung deiner Lymphgefäße tun kannst. Zusätzlich erfährst du, welche Hilfsmittel dir im Alltag helfen können und wie das Sanitätshaus dich dabei unterstützen kann.
Abbildung von Beinen einer auf dem Boden sitzenden Person, die Kompressionsstrümpfe trägt

Was ist der Unterschied zwischen einem Lymphödem und einem Lipödem?

Lymphödem oder Lipödem? Die beiden Begriffe klingen nicht nur ähnlich, auch das Krankheitsbild hat einige Gemeinsamkeiten.

Bei einem Lipödem handelt es sich nicht um eine Ansammlung von Lymphflüssigkeit, sondern von Fettzellen (Lipozyten). Das Lipödem ist eine chronische, nicht heilbare Fettverteilungsstörung, die fast ausschließlich Frauen betrifft und oft angeboren oder hormonell bedingt ist. Im Unterschied zum Lymphstau treten die Schwellungen hier jedoch in der Regel symmetrisch auf, betreffen also beide Beine oder Arme. Die Rückseiten von Händen und Füßen sind – anders als beim Lymphödem – nicht von den Symptomen betroffen. Sogenannte Orangenhaut ist typisch für das Lipödem, während die Haut beim Stau in den Lymphbahnen prall und gespannt ist.

Ein Ödem des Lymphsystems erhöht das Risiko von Hautentzündungen, dagegen neigt die Haut beim Lipödem zu blauen Flecken (Hämatomen).

Insbesondere aber ist das Lipödem meist mit großen Schmerzen verbunden, während ein Lymphödem zwar zu Spannungsgefühlen und Müdigkeit in den betroffenen Extremitäten führt, aber selten unmittelbare Schmerzen verursacht.

Auch wenn es sich um eigenständige Krankheitsbilder handelt, können beide in Kombination auftreten. Denn beim Lipödem können die Fetteinlagerungen eine Blockade des Lymphsystems bewirken. Entsteht hierbei ein Lymphstau, spricht man von einem Lipo-Lymphödem. Bei beiden Erkrankungen kann die Behandlung – unter anderem mit einer medizinischen Kompressionstherapie – den Betroffenen Erleichterung verschaffen und die Symptome wirksam bekämpfen.
 

Welche Ursachen für den Lymphstau gibt es?

Die zugrundeliegenden Ursachen eines Lymphödems können angeboren sein (primäres Lymphödem) oder im Laufe des Lebens durch verschiedene Umstände erworben werden (sekundäres Lymphödem). Zu den Ursachen des primären Lymphödems gehören Fehlbildungen des Lymphsystems, die von Geburt an bestehen, sich aber auch erst im frühen oder späteren Erwachsenenalter bemerkbar machen können.

Weitaus häufiger kommt das sekundäre Lymphödem vor, das die Folge einer anderen Erkrankung, einer Verletzung oder die Nebenwirkung einer Therapie ist. Dabei entsteht eine Schädigung der Lymphgefäße, die sich auf die Funktion des Lymphsystems und damit auf den ganzen Körper auswirkt. Zu den häufigsten Ursachen eines sekundären Lymphödems gehören:

  • Übergewicht
  • Krebserkrankungen/Bestrahlung bei Krebserkrankungen
  • Operative Eingriffe
  • Traumata durch Verletzungen und Vernarbungen an den Lymphgefäßen
  • Chronische Venenerkrankungen
  • Entzündungen der Lymphbahnen
  • Parasiten oder Mykosen
  • Verstauchungen oder Insektenstiche

Ein sekundäres Lymphödem kann auch im Zusammenhang mit einer Brustkrebsbehandlung (Mammakarzinom) entstehen. Das betrifft vor allem den Arm, manchmal auch den Bereich von Brustwand oder Achsel, wenn Lymphbahnen in Mitleidenschaft gezogen werden.

Wichtig zu wissen:
Ein Lymphödem kann während oder kurz nach der Behandlung auftreten – manchmal aber auch erst Monate oder Jahre später. Deshalb ist es sinnvoll, Schwellungen, Spannungsgefühle oder ein neu auftretendes „Schweregefühl“ frühzeitig ärztlich abklären zu lassen. Wenn Brustkrebs der Auslöser sein könnte, ist eine gute Abstimmung zwischen Ärzt:innen, Lymphtherapie und Sanitätshaus besonders hilfreich, um früh gegenzusteuern und den Alltag zu entlasten.

Wer behandelt Lymphödeme?

Bei Verdacht auf einen Lymphstau ist die Hausärztin oder der Hausarzt die erste Ansprechperson. Sie oder er führt eine Untersuchung durch und tastet das Gewebe an den betroffenen Körperteilen ab. Dabei wird auch auf das Stemmer-Zeichen geachtet: Lässt sich die Haut an der zweiten Zehe mit den Fingern nicht mehr anheben, ist dies ein Indiz für ein Lymphödem. In diesem Fall ist eine gezielte Ursachenforschung wichtig.

Hierbei ist ein interdisziplinäres Vorgehen sinnvoll, an dem unter anderem Internist:innen, Onkolog:innen, Lympholog:innen, Physiotherapeut:innen mit der Zusatzausbildung zur Lymphtherapie und spezialisierte Orthopädietechniker:innen beteiligt sein können.

Was sind die wichtigsten Behandlungsmöglichkeiten?

Mit einer konservativen Behandlung können die Symptome des Lymphödems deutlich verbessert oder sogar beseitigt werden, so dass eine erhebliche Steigerung der Lebensqualität erreicht werden kann. Als Standardmethode hat sich dabei die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE) etabliert, bei der auch die Versorgung mit medizinischen Kompressionen eine wichtige Rolle spielt. Sie unterteilt sich in zwei Phasen:

  1. Entstauungsphase:
    Zunächst muss die angestaute Lymphe aus dem Gewebe der betroffenen Körperteile abfließen. Dies wird durch tägliche manuelle Lymphdrainagen erzielt. Die Lymphdrainage ist eine von speziell ausgebildeten Therapeut:innen angewendete Massagetechnik. Im Anschluss an die Lymphdrainage werden lymphologische Kompressionsverbände angelegt, um eine erneute Ansammlung von Lymphe zu vermeiden.
     
  2. Erhaltungsphase:
    Meist kann nach einigen Wochen eine dauerhafte Beseitigung des Lymphstaus erreicht werden. Damit es nicht zum Rückfall kommt, werden flachgewebte medizinische Kompressionsstrümpfe verwendet, die einer Ansammlung von Flüssigkeit durch sanften Druck vorbeugen und das Lymphsystem auf natürliche Weise anregen und unterstützen.

Insgesamt umfasst die Physikalische Entstauungstherapie fünf wichtige Maßnahmen:

  1. Manuelle Lymphdrainage zur Entstauung
  2. Kompressionstherapie mit Bandagen und Kompressionsstrümpfen
  3. Sorgfältige Hautpflege zur Vorbeugung von Infektionen
  4. Entstauungsgymnastik und Bewegungstherapie
  5. Gesunde Lebensführung mit ausgewogener Ernährung
Abbildung einer älteren Dame, die sich auf dem Boden sitzend dehnt. Sie trägt pinke Kompressionsstrümpfe und -Ärmel
© medi

Wie hilft das Sanitätshaus?

Da das Lymphödem eine chronische Erkrankung ist, müssen viele Betroffene lebenslang Kompressionsversorgung tragen. Die Expert:innen im Sanitätshaus sind hierbei qualifizierte Ansprechpartner. Sie unterstützen bei der Erstversorgung und Wechselversorgung während der Entstauungsphase sowie bei der Nachversorgung in der Erhaltungsphase. Außerdem geben Sanitätshausfachangestellte praktische Tipps zum Umgang mit den Hilfsmitteln, zur richtigen Hautpflege und beraten allgemein zu Lymph- und Venengesundheit.

Unsere gelisteten Sanitätshäuser findest du in der Sanitätshaussuche.

Hilfsmittel aus dem Sanitätshaus: Was hilft wann?

Welche Versorgung sinnvoll ist, hängt unter anderem davon ab, ob sich Betroffene noch in der Entstauungsphase befinden oder der Fokus der Therapie auf dem Erhalt der Entstauung liegt. en. Im Sanitätshaus werden Hilfsmittel ausgewählt, angepasst und erklärt, damit sie im Alltag zuverlässig wirken und angenehm zu tragen sind.

  • Wenn das Gewebe deutlich spannt oder „schwer“ wirkt, liegt der Fokus auf der Entstauung. Sanfter, gleichmäßiger Druck von außen kann den Abfluss der Gewebeflüssigkeit unterstützen. Mittel der Wahl ist hier meist ein lymphologischer Kompressionsverband, der täglich an den sich verändernden Umfang der betroffenen Körperregion angepasst werden kann.
     
  • Wenn Schwellungen nach der Lymphdrainage schnell wiederkommen, kann eine komprimierende Versorgung durch medizinische Kompressionsstrümpfe helfen, das Entstauungsergebnis zu stabilisieren. Das Sanitätshaus unterstützt dabei, die passende Lösung auszuwählen und richtig anzulegen.
     
  • Wenn das Anziehen der Kompressionsversorgung schwer fällt (z. B. bei eingeschränkter Beweglichkeit, wenig Kraft in den Händen oder Beschwerden an Fingern/Zehen), können Anziehhilfen den Alltag deutlich erleichtern. So lässt sich die Versorgung oft auch korrekter und materialschonender anlegen.
     
  • Wenn die Haut empfindlich ist oder zu kleinen Verletzungen neigt, helfen geeignete Hautpflege und Schutzmaßnahmen, die Hautbarriere zu unterstützen. Im Sanitätshaus gibt es dazu praktische Hinweise, worauf man im Alltag achten kann.
     
  • Wenn sich der Umfang von Arm oder Bein verändert (z. B. im Verlauf der Therapie oder bei Gewichtsschwankungen), ist eine Kontrolle der Passform wichtig. Das Sanitätshaus kann erneut Maß nehmen, die Versorgung anpassen und eine Wechselversorgung organisieren, damit die Behandlung konsequent weitergeführt werden kann.

Eine fachgerechte Anpassung und die richtige Handhabung im Alltag können dazu beitragen, Beschwerden zu reduzieren, Rückfällen vorzubeugen und geben vielen Betroffenen spürbar mehr Sicherheit im Umgang mit dem Lymphödem.

Hinweise & Disclaimer

Die Informationen dieses Textes ersetzen keine ärztliche Diagnose. Lass anhaltende oder starke Beschwerden bitte medizinisch abklären.

Bildnutzung mit freundlicher Genehmigung von medi GmbH & Co. KG.