Schlaganfall: Häufige Fragen & wichtige Fakten
Ursache für einen Schlaganfall (Fachbegriff: Apoplex) ist meist eine Hirnblutung oder ein Gefäßverschluss im Gehirn.
In Deutschland sind jedes Jahr rund 270.000 Menschen von einem Schlaganfall betroffen – das sind im Durchschnitt knapp 550 pro Tag. Es handelt sich hierbei immer um einen Notfall, der schnellstmöglich medizinisch behandelt werden muss. Am besten in einer Stroke Unit.
Was ist eine Stroke Unit?
Eine Stroke Unit ist eine Spezialstation für die schnelle und umfassende Behandlung eines Schlaganfalls.
Lebensnotwendige Funktionen der Betroffenen können hier rund um die Uhr überwacht und von erfahrenem Fachpersonal behandelt werden.
Ist ein Schlaganfall heilbar?
Wird die richtige Therapie sofort eingeleitet, können die Symptome oft vollständig verschwinden. Häufig bleiben jedoch dauerhafte Folgen zurück, so dass Betroffene ihr Leben lang auf Hilfsmittel angewiesen sind oder sogar gepflegt werden müssen. Bei irreparablen Folgen zielt die langfristige Behandlung und Versorgung mit medizinischen Hilfsmitteln darauf ab, den Betroffenen größtmögliche Eigenständigkeit und Lebensqualität zu bieten.
Definition: Was passiert bei einem Schlaganfall?
Die Ursachen können vielfältig sein. Grundsätzlich unterscheidet man zwei Formen:
- Ist ein plötzlicher Gefäßverschluss die Ursache, spricht man auch von einem Hirninfarkt oder einem ischämischen Schlaganfall. Der Gefäßverschluss wiederum kann durch ein Blutgerinnsel oder Gefäßablagerungen herbeigeführt werden.
- Auch eine Blutung kommt als Ursache in Frage. Diese Form nennt man hämorrhagischen Schlaganfall. Die Durchblutungsstörung führt zu einer akuten Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff und Nährstoffen. Dadurch kann es zu Schäden der Gehirnzellen kommen.
Risikofaktoren: Bin ich gefährdet?
Es gibt verschiedene Risikofaktoren für einen Schlaganfall:
- Alter (die Mehrheit der Betroffenen ist über 60 Jahre alt)
- Genetische Veranlagung
- Erkrankungen wie Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen oder Diabetes mellitus sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Beeinflussbare Risikofaktoren wie beispielsweise Rauchen, Stress, mangelnde Bewegung, Übergewicht oder ein hoher Alkoholkonsum
Symptome: Gibt es frühe Anzeichen für einen Schlaganfall?
In manchen Fällen gibt es Vorboten für einen bevorstehenden Schlaganfall. Beispielsweise durch Symptome wie kurzzeitige Lähmungen oder ein taubes Gefühl in einer Körperhälfte. Auch vorübergehende Störungen der Sprachfähigkeit, des Sprachverstehens oder Sehstörungen können darauf hindeuten. Man bezeichnet dies auch als Mini-Schlaganfall oder Transitorisch Ischämische Attacke (TIA).
Auch eine TIA ist ein Notfall, bei dem man den Notruf auch dann wählen sollte, wenn sich die Symptome von allein zurückbilden.
Der FAST-Test
Mit dem sogenannten FAST-Test kannst du überprüfen, ob ein Schlaganfall vorliegt:
- Face (engl. “Gesicht”): Häufig ist bei einem Schlaganfall eine Gesichtshälfte gelähmt. Bitte die betroffene Person zu lächeln. Ist dies nur halbseitig möglich, liegt höchstwahrscheinlich ein Schlaganfall vor.
- Arms (engl. “Arme”): Die betroffene Person soll ihre Arme nach vorne ausstrecken. Fällt das schwer, ist das ein Warnzeichen.
- Speech (engl. “Sprache”): Betroffene sollen einen beliebigen, einfachen Satz nachsprechen. Bei verwaschener Sprache oder Sprachstörungen ist ebenfalls mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Schlaganfall eingetreten.
- Time (engl. “Zeit”): Fällt einer der Tests positiv aus, verliere keine Zeit! Jetzt zählt jede Sekunde – wähle die 112.
Behandlung: Welche Therapie wird nach einem Schlaganfall angewendet?
Die akute Behandlung des Schlaganfalls richtet sich in erster Linie nach der Ursache:
- Beim ischämischen Schlaganfall (Hirninfarkt) geht es darum, die Durchblutung des betroffenen Gehirnbereichs so schnell wie möglich wiederherzustellen. Dies kann z.B. durch Medikamente geschehen, die das Blutgerinnsel, das für den Infarkt verantwortlich ist, auflösen. Alternativ kann es vor allem bei größeren Gerinnseln auch nötig sein, dieses operativ zu entfernen.
- Handelt es sich hingegen um eine Hirnblutung, muss diese zunächst operativ gestoppt werden, um Schädigungen am Gewebe zu vermeiden.
Rehabilitation nach dem Schlaganfall
Nach der Akut-Behandlung ist eine neurologische Rehabilitation nötig. Sie findet in der Regel stationär statt und dauert mehrere Wochen.
Die "klassischen" Therapiemaßnahmen in einer neurologischen Rehabilitationsklinik sind dabei:
- Physiotherapie
- Ergotherapie
- Logopädie
- Ernährungsberatung
- Neuropsychologie
Das Ziel der Rehabilitation ist, verlorengegangene Funktionen so gut wie möglich wiederherzustellen und zu einem selbstständigen Leben zu verhelfen. Dies passiert nicht über Nacht und muss auch nach der stationären Behandlung mit viel Geduld weiter in Eigenarbeit fortgeführt werden.
Spätfolgen: Welche dauerhaften Folgen kann ein Schlaganfall haben?
Viele Symptome können trotz schneller Behandlung und neurologischer Rehabilitation bestehen bleiben, wenn die entsprechenden Hirnareale dauerhaft geschädigt sind. Man unterscheidet dabei zwischen neurologischen, neuropsychologischen und psychischen Folgen. Im Folgenden geben wir eine Übersicht über die möglichen Folgen. Bitte beachte, dass es noch weitaus mehr gibt.
Wenn du mehr dazu erfahren möchtest, empfehlen wir die Website der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe.
Neurologische Folgen (körperliche Auswirkungen / Motorik)
Eine sehr häufige Folge eines Schlaganfalls, die dauerhaft bestehen bleiben kann. Da die Hirnhälften überkreuz funktionieren, ist bei einer Durchblutungsstörung auf der rechten Seite des Gehirns die linke Körperhälfte betroffen und umgekehrt. Die Schwere der Halbseitenlähmung (Hemiparese) kann sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Eine Hemiparese liegt vor, wenn die Erkrankten auf einer Seite Arm und Bein gar nicht mehr bewegen können. Andere leiden unter einer Hemiplegie, bei der lediglich eine Taubheit und Muskelschwäche auf einer Körperhälfte vorliegt. Auch die Gesichtsmimik ist oft betroffen, hier spricht man von einer Fazialisparese.
Die Schwere der Halbseitenlähmung entscheidet darüber, ob Betroffene auf einen Rollstuhl angewiesen sind oder sich eigenständig fortbewegen können. Mit intensiver Physiotherapie kann das Gehen wieder neu erlernt werden – meist bleiben jedoch Beschwerden zurück.
Eingesetzte Hilfsmittel:
- Bei der Rehabilitation kommen medizinische Hilfsmittel wie Bewegungstrainer zum Einsatz
- Bandagen und Fußheber-Orthesen
- Gehhilfen und Rollatoren geben etwas Mobilität zurück
- Treppensteiger und Treppenlifte
- Anpassungen im Badezimmer: beispielsweise Badelifte, Duschhocker und WC-Hilfsmittel
- In schweren Fällen der Halbseitenlähmung, in denen Erkrankte auf Pflege angewiesen sind, können Lagerung- und Aufrichtsysteme sowie elektronische Pflegebetten den Komfort erhöhen und pflegende Angehörige entlasten.
Schluckstörungen treten bei ungefähr jedem zweiten Schlaganfall-Betroffenen auf. Es kann sehr belastend sein und im schlimmsten Fall zu Atemwegsinfektionen oder sogar Lungenentzündungen führen, wenn Nahrungsmittel statt in die Speiseröhre in die Luftröhre gelangen.
Eingesetzte Hilfsmittel:
- Enterale Ernährung und Trinknahrung können hier sinnvoll sein, um dieser Gefahr vorzubeugen
Hierbei handelt es sich um motorische Störungen, welche die Lautbildung und damit die Sprachfähigkeit beeinträchtigen. Ein intensives Training ist bei der durch einen Schlaganfall verursachten Dysarthrophonie häufig erfolgreich.
Eingesetzte Hilfsmittel:
- Solange Patient:innen sich nicht oder nur mühsam verständlich machen können, helfen Kommunikationshilfen oder Sprachausgabecomputer im Alltag bei der Verständigung.
- In schweren Fällen kann auch die Atmung beeinträchtigt sein. Hier ist die Anwendung von Beatmungsgeräten zur Sauerstofftherapie wichtig, um die Sauerstoffversorgung sicherzustellen.
Wenn Patient:innen nach einem Schlaganfall unter Gedächtnisstörungen leiden, sich schlecht konzentrieren und orientieren können, kann es sich um eine vaskuläre Demenz handeln. Mit gezieltem Gedächtnistraining und Ergotherapie können die Folgen abgemildert werden.
Neuropsychologische Folgen (Sinneswahrnehmung und kognitive Funktionen)
Anders als bei der Dysarthrophonie ist bei der Aphasie nicht die Lautbildung, sondern das Sprachverstehen beeinträchtigt. Betroffene finden die richtigen Worte nicht mehr, sprechen sie nicht korrekt aus oder verwechseln Laute. Mit einem intensiven Sprachtraining können die Folgen abgemildert werden. Dies ist wichtig, da das Sprachverstehen für die Teilnahme am sozialen Leben und damit für das Wohlbefinden der Betroffenen von entscheidender Bedeutung ist.
Bei dieser Funktionsstörung ist die Aufmerksamkeit der Betroffenen für eine Körperhälfte reduziert. Dies äußert sich beispielsweise darin, dass sie die betroffene Körperhälfte bei der Körperhygiene auslassen.
Die Planung von Handlungen erfordert ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Gehirnregionen und kann nach einem Schlaganfall langfristig gestört bleiben. Dies ist in der Regel dauerhaft.
Diese Art von kognitiven Leistungseinbußen tritt bei etwa 80 Prozent der Betroffenen auf. Mit gezieltem Konzentrationstraining können sich die Beschwerden verbessern, dies braucht jedoch meist Zeit. Die Beeinträchtigung der kognitiven Fähigkeiten wird oft als besonders belastend empfunden.
Ist der Frontal- oder Temporallappen beschädigt, kann sich dies auf die Persönlichkeit auswirken. Mit Hilfe von interdisziplinären Therapieansätzen können sich die Folgen in vielen Fällen wieder zurückbilden, jedoch nicht immer.
Psychische Folgen
Nach einem Hirnschlag treten Depressionen sehr häufig auf, weshalb man von einer “Post Stroke Depression” spricht. Eine neurologische und psychiatrische Behandlung ist besonders wichtig, auch eine psychotherapeutische Begleitung ist unbedingt zu empfehlen. Meist werden Anti-Depressiva eingesetzt.
Für Betroffene ist ein Schlaganfall oft ein traumatisierendes Erlebnis. Sie können eine Angststörung entwickeln, die häufig mit einer Depression einhergeht und ebenfalls von Fachärzt:innen behandelt werden sollte.
Die Zeit danach: Unterstützung aus dem Sanitätshaus
Bleiben nach einem Schlaganfall längerfristige Beeinträchtigungen zurück, können medizinische Hilfsmittel den Betroffenen bei der Bewältigung ihres Alltags helfen. Sie werden dabei dem individuellen Bedarf des Erkrankten, der Angehörigen und Pflegenden angepasst. Die fachkundigen Sanitätstechniker:innen im Sanitätshaus können dabei unterstützen herauszufinden, welche Hilfsmittel im jeweiligen Fall sinnvoll sind und sie für die persönlichen Bedürfnisse konfigurieren.
Hinweise & Disclaimer:
Die auf dieser Seite bereitgestellten Informationen ersetzen keine ärztliche Diagnose. Lass anhaltende oder starke Beschwerden bitte medizinisch abklären.