Schädel-Hirn-Trauma: Eine Übersicht zu Symptomen, Behandlung, Spätfolgen & Hilfsmitteln


Das Schädel-Hirn-Trauma (kurz: SHT) ist eine Verletzung des Gehirns – meist in Folge eines Unfalls. Es kann allerdings sehr unterschiedlich stark ausgeprägt sein: Von einer leichten Gehirnerschütterung bis zur schweren Gehirnverletzung mit Todesfolge. In rund fünf Prozent aller Fälle handelt es sich um ein schweres Schädel-Hirn-Trauma, in dessen Folge die Patient:innen oft langfristig pflegebedürftig werden.
Junge Frau mit Helm auf dem Kopf fährt Fahrrad im Straßenverkehr in der Stadt.

Wichtig:

Ein Sturz auf den Kopf sollte niemals unterschätzt werden. Auch wenn du dich zunächst gut fühlst oder nur leichte Beschwerden hast, können ernsthafte Verletzungen vorliegen. Lass eine Kopfverletzung deshalb immer ärztlich abklären. Eine frühzeitige Untersuchung kann helfen, gefährliche Komplikationen zu erkennen und rechtzeitig zu behandeln.

Definition: Was ist ein Schädel-Hirn-Trauma?

Grundsätzlich versteht man laut Definition unter einem Schädel-Hirn-Trauma eine Schädelverletzung, die zu einer Schädigung des Gehirns führt. Schon kleinere Blutungen und Schwellungen des Gehirns können schwerwiegende Folgen haben, da die Gehirnzellen nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden. Die schnelle Behandlung des Traumas (= Verletzung) ist deshalb besonders wichtig. Rund die Hälfte aller Schädel-Hirn-Traumata werden durch Verkehrsunfälle verursacht, etwa ein Fünftel lässt sich auf schwere Stürze zurückführen.

Ein Arzt leuchtet einer Frau in die Augen.
© SDI Productions | iStockphoto

Diagnose: Welche Formen von Schädel-Hirn-Trauma unterscheidet man?

Mediziner:innen unterteilen das Schädel-Hirn-Trauma in verschiedene Formen und Schweregrade. Bei den Formen wird vor allem zwischen den folgenden beiden unterschieden:

  • Offen: Ein offenes SHT zeichnet sich durch eine Verletzung des Schädelknochens aus.
  • Gedeckt: Beim gedeckten SHT liegt eine Hirnverletzung vor, ohne dass der Schädel beschädigt wurde.

Die Schwere des Schädel-Hirn-Traumas wird nach einer neurologischen Untersuchung mit Hilfe der sogenannten Glasgow Coma Scale in eine von drei Kategorien eingeteilt:

  • Leichtes Schädel-Hirn-Trauma
  • Mittleres Schädel-Hirn-Trauma
  • Schweres Schädel-Hirn-Trauma

Mit Hilfe von bildgebenden Verfahren wie Röntgen, Computertomographie oder Magnetresonanztomographie lassen sich die Schwere, die genaue Position und auch die Art der Verletzung genauer diagnostizieren. So kann es sich bei der Verletzung beispielsweise um eine Gehirnerschütterung handeln, eine Gehirnprellung, eine Gehirnquetschung, eine Blutung oder eine offene Gehirnverletzung.

Anzeichen: Welche Symptome hat ein Trauma des Schädels und Gehirns?

Ein Schädel-Hirn-Trauma kann sich sehr unterschiedlich zeigen – je nachdem, welche Areale im Gehirn verletzt wurden. Neben Schmerzen sind vor allem neurologische Beeinträchtigungen sehr häufig.

Zu den möglichen Symptomen gehören:

  • Kopfschmerzen
  • Schwindelgefühle
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Bewusstseinsstörungen
  • Bewusstlosigkeit
  • Lähmungen
  • Sehstörungen
  • Sprachstörungen
  • Epileptische Anfälle
  • Atmungsstörungen
  • Kognitive Störungen
Eine Frau stützt sich an der Wand ab und greift sich mit der anderen Hand an den Kopf.
© bymuratdeniz | iStockphoto

Prognose: Wie lange dauert die Heilung?

Bei einem leichten SHT bilden sich die Symptome meist innerhalb von wenigen Tagen bis zu einer Woche zurück. Liegt ein mittelschweres Trauma vor, kann es trotz rechtzeitiger Behandlung sehr viel länger dauern, bis die Symptome abklingen – sie können jedoch auch dauerhaft sein. Schwere Schädel-Hirn-Traumata hinterlassen meistens bleibende neurologische Beeinträchtigungen.

Therapie: Wie behandelt man ein Schädel-Hirn-Trauma?

Bei einer leichten Variante wie beispielsweise einer Gehirnerschütterung kann die Behandlung häufig ambulant erfolgen. Den Betroffenen wird lediglich Ruhe verordnet und Kopfschmerzen werden mit entsprechender Schmerzmedikation behandelt.

Die akute Therapie von mittelschweren und schweren Schädel-Hirn-Traumata besteht hingegen aus einer Stabilisierung von Blutdruck und Atmung, um dem Auftreten von weiteren Hirnschäden durch eine mangelnde Durchblutung des Gehirns vorzubeugen.
Patient:innen mit mittelschweren und schweren SHT müssen stationär und oft intensivmedizinisch im Krankenhaus behandelt werden. In manchen Fällen ist eine neurochirurgische Operation erforderlich, beispielsweise bei starken Schwellungen oder Blutungen im Gehirn.

Nachsorge: Welche Einschränkungen können bestehen bleiben?

Die Rehabilitation nimmt bei mittelschweren und schweren SHT eine wichtige Rolle ein. Die Therapie wird individuell nach den Beschwerden der Betroffenen ausgerichtet und sollte so früh wie möglich nach Abklingen der akuten Verletzung beginnen. Wie gut die Prognose ist, hängt unter anderem vom Alter der Patient:innen, der Länge einer möglichen Bewusstlosigkeit und der Schwere der Gehirnverletzung ab. Gerade bei mittelschweren und schweren Fällen ist jedoch mit dauerhaften Folgen zu rechnen. Häufig bleiben zum Beispiel motorische Defizite, Lähmungserscheinungen oder kognitive Beeinträchtigungen zurück.

Medizinische Hilfsmittel: Diese Unterstützung bietet das Sanitätshaus

Wie sehr die Spätfolgen eines Schädel-Hirn-Traumas Betroffene in ihrem alltäglichen Leben einschränken, kann individuell sehr unterschiedlich sein. Viele Menschen sind mit einer entsprechenden Anpassung ihres Umfeldes vollkommen eigenständig, andere sind auf den Rollstuhl oder die Pflege durch andere angewiesen.

Für die langfristige Therapie und zur Unterstützung der Alltagsbewältigung finden Patient:innen und ihre Angehörigen im Sanitätshaus verschiedene medizinische Hilfsmittel. Sie bieten mehr Sicherheit und Komfort im täglichen Leben, helfen bei der Nachsorge und Rehabilitation oder ermöglichen wieder ein höheres Maß an Selbstständigkeit. Zu den entsprechenden Hilfsmitteln gehören unter anderem:

Orthesen:

Speziell angefertigte Orthesen unterstützen dabei, Funktionsausfälle, Muskelschwächen und neurologische Probleme in den Armen und Beinen auszugleichen und die Gelenke zu stabilisieren. Orthesen müssen in jedem Fall von Orthopädietechniker:innen maßangefertigt werden, damit sie perfekt passen und ihre Funktion optimal erfüllen können.

FES:

Die Funktionelle Elektrostimulation ist eine wichtige Versorgungsmaßnahme in der Neurorehabilitation. Die peripheren Nerven werden stimuliert, so dass sie ihre Aufgaben schneller und besser erfüllen können. Das FES Gerät kann dabei sowohl unmittelbar eine gewünschte Bewegung der Muskeln auslösen, als auch bei dem Wiedererlernen von Bewegungsabläufen und der Physiotherapie unterstützend wirken. Das Sanitätshaus bietet verschiedene FES Geräte, beispielsweise Fußhebersysteme oder Oberschenkelstimulation.

Gehhilfen:

Damit Betroffene möglichst eigenständig und mobil bleiben können, stehen verschiedene Arten von Gehhilfen zur Verfügung: Von Gehstöcken, Faltgehhilfen, Gehstützen und Mehrfußgehhilfen bis hin zu Gehwagen, Achselstützen, Gehgestellen und Rollatoren. Das Sanitätshaus kann dich beraten, welche Gehhilfe am besten geeignet ist.

Rollstühle:

Wenn ein Rollstuhl benötigt wird, muss dieser hohen Anforderungen entsprechen. Er muss robust sein, da mit spastischen Muskelkrämpfen zu rechnen ist. Zudem muss er individuell angepasst werden können und die Anbringung von Zubehör zum Ausgleich weiterer Funktionsdefizite ermöglichen. Er sollte so verstellbar sein, dass Pflegenden ein Umsetzen des Betroffenen problemlos möglich ist. Gleichzeitig sollte er Fehlhaltungen vorbeugen und die verbliebene Mobilität von Patient:innen möglichst unterstützen. Hier ist eine individuelle Beratung und das Ausprobieren verschiedener Modelle besonders wichtig.

Weitere Hilfsmittel:

Je nachdem, wie stark die Folgen des Schädel-Hirn-Traumas sind, können auch andere medizinische Hilfsmittel sinnvoll sein. Beispielsweise elektrische und verstellbare Pflegebetten, Trinknahrung und Inkontinenzzubehör findest du ebenfalls im Sanitätshaus.

Zur Sanitätshaussuche