Parkinson: Ein Überblick zu Symptomen, Therapie & Hilfsmittel aus dem Sanitätshaus
Geschichte & Verbreitung
Morbus Parkinson wurde 1817 vom britischen Arzt James Parkinson entdeckt. Besondere Bekanntheit hat die Krankheit durch prominente Betroffene wie Michael J. Fox erlangt. Bei dem kanadischen Schauspieler wurde die Diagnose bereits im Alter von 29 Jahren gestellt – ungewöhnlich früh, denn meist sind Menschen über 50 Jahren von Parkinson betroffen.
Laut Schätzungen der Parkinson-Gesellschaft leiden in Deutschland etwa 400.000 Menschen an der Krankheit. Weltweit sollen mehr als 11 Millionen Menschen betroffen sein.
Definition: Was ist Parkinson?
Bei Parkinson handelt es sich um eine neurodegenerative - also eine fortschreitende - Erkrankung des zentralen Nervensystems. Dabei sterben im Gehirn insbesondere die Nervenzellen ab, die den Neurotransmitter Dopamin produzieren. Diese Botenstoffe sind für die Steuerung von motorischen und kognitiven Abläufen unerlässlich.
Ist der Dopamin-Gehalt im Gehirn um etwa 80 % reduziert, kommt es zur Beeinträchtigung der Substantia nigra. Die Substantia nigra ist ein bestimmter Bereich im Mittelhirn, der für die Steuerung von Bewegungsabläufen verantwortlich ist. In der Folge treten bei Betroffenen Bewegungsstörungen auf und es kann auch zu einem Nachlassen der geistigen Fähigkeiten und Demenz kommen.
Symptome: Welche Anzeichen zeigen sich bei der Parkinson-Erkrankung?
Parkinson zeichnet sich durch insgesamt drei Hauptsymptome aus:
- Veränderte Bewegungen:
Ein schlurfender Gang mit kurzen Schritten und nach vorne gebeugtem Oberkörper sowie allgemein stark verlangsamte Bewegungsabläufe. Auch die Feinmotorik ist beeinträchtigt. So können Parkinson-Patient:innen oft nur schwer mit der Hand schreiben.
- Muskelsteifheit:
Die für die Parkinson-Krankheit typische Steifheit der Muskeln wird Rigor genannt. Die Muskelsteifheit beginnt häufig im Bereich von Nacken und Schultern. Dabei sind die Muskeln so angespannt, dass sie sich nur schwer bewegen lassen und oft stark schmerzen.
- Muskelzittern:
Dieses Symptom wird auch als Tremor bezeichnet. Die Arme und Beine von Parkinson-Betroffenen zittern.
Zu diesen Hauptsymptomen können weitere Symptome kommen – wie Sprachstörungen, Verwirrtheit oder Schwindel.
Typisch ist auch die sogenannte posturale Instabilität: Durch gestörte Stell- und Haltereflexe laufen Betroffene nicht nur gebeugt, sie können auch schneller stolpern und fallen. Als Begleiterscheinungen kommen bei Parkinson häufig eine fettige Gesichtshaut, Inkontinenz und Erektionsstörungen hinzu.
Früherkennung: Auf welche frühen Symptome kann ich achten?
Die typischen Hauptsymptome von Parkinson treten oft erst später auf und so schleichend, dass Betroffene sie nicht sofort bemerken. Es können schon Jahre vorher frühe Anzeichen in Erscheinung treten.
Dazu gehören:
- REM-Schlaf-Verhaltensstörungen (Im Schlaf sprechen oder anderweitig bewegen)
- Starrheit im Gesichtsausdruck
- Stimmungsschwankungen
- Muskel- & Gelenkschmerzen
- Verstopfungen
- Sehstörungen
- Depressionen
- Allgemeine Steifigkeit oder Zittrigkeit
Wer die ersten Signale bemerkt, kann die Diagnose in einem frühen Stadium der Krankheit stellen lassen. So können die schweren Symptome der Parkinson-Krankheit oft noch lange hinaus gezögert werden.
Ursachen: Wie entsteht das Parkinson-Syndrom?
Die genauen Ursachen von Parkinson sind nicht abschließend geklärt. Wissenschaftler:innen haben Hinweise darauf gefunden, dass die Nervenzellen von betroffenen Personen möglicherweise weniger wehrhaft gegenüber freien Radikalen sind.
Begriffsklärung: Freie Radikale
Freie Radikale entstehen als Nebenprodukt, wenn der Körper Energie erzeugt oder beispielsweise produzieren bestimmte weiße Blutkörperchen sie absichtlich, um Bakterien, Viren und andere Krankheitserreger zu zerstören.
Den freien Radikalen fehlt ein Elektron und um sich zu stabilisieren, entreißen sie anderen Molekülen ein Elektron.
In der Regel hält dein Körper ein Gleichgewicht zwischen freien Radikalen und Antioxidantien.
Bei etwa drei Viertel aller Patient:innen liegt ein sogenanntes idiopathisches Parkinson-Syndrom vor, bei dem es keine erkennbare Ursache gibt.
In seltenen Fällen treten auch genetische Formen von Parkinson auf – man spricht dann vom familiären Parkinson-Syndrom.
Neben der echten Parkinson-Erkrankung – Morbus Parkinson – unterscheiden Mediziner:innen auch das symptomatische Parkinson-Syndrom. Es führt zu ähnlichen Krankheitsanzeichen, hat aber andere Ursachen wie beispielsweise eine gestörte Hirndurchblutung durch Gefäßerkrankungen oder Tumore. Auch Medikamente oder Vergiftungen können dieses Syndrom auslösen.
Therapie: Ist Parkinson heilbar?
Die Parkinson-Krankheit ist nicht heilbar. Durch eine individuelle Behandlung können die Symptome jedoch gelindert und der Krankheitsverlauf abgemildert werden, so dass viele Betroffene für eine lange Zeit eine hohe Lebensqualität haben und weitgehend eigenständig leben können.
Die typischen Symptome der Krankheit werden durch den Dopaminmangel im Gehirn verursacht. Daher werden zur Therapie Medikamente eingesetzt, die diesen Mangel ausgleichen.
Weitere wichtige Bausteine bei der Therapie sind Physiotherapie, Ergotherapie und bei Bedarf auch Logotherapie. Spezielle auf Nervenerkrankungen oder sogar auf die Parkinson-Krankheit spezialisierte Einrichtungen sind für Patient:innen die beste Anlaufstelle.
Versorgung bei Parkinson: Medizinische Hilfsmittel aus dem Sanitätshaus
Die Krankheit geht mit motorischen Einschränkungen einher, die je nach Ausprägung und Krankheitsverlauf unterschiedlich stark sein können. Für Betroffene ist es wichtig, im Alltag möglichst eigenständig zu bleiben.
Indem beispielsweise das Wohnumfeld verbessert und medizinische Hilfsmittel eingesetzt werden, können Patient:innen sicherer und selbstbewusster mit der Erkrankung und den damit einhergehenden Symptomen leben. Betroffene und ihre Angehörigen können sich im Sanitätshaus beraten lassen, welche medizinischen Hilfsmittel für sie am besten geeignet sind.
Hilfsmittel für mehr Sicherheit im Wohnumfeld
Die Wohnung sollte möglichst barrierefrei gestaltet werden. Dabei ist es besonders wichtig, Stürzen vorzubeugen und die Wohnräume so umzubauen, dass sie auch mit Rollator und Rollstuhl befahren werden können. Dazu gehören:
- Ebenerdige Türschwellen
- Breite Türdurchgänge
- Rutschsichere Böden
- Treppenlift bei mehrstöckigen Wohnungen / Häusern
- Haltegriffe und Handläufe
- Rollstuhlgeeignete Dusche mit Haltegriffen und Klappsitzen zur
- höhenverstellbares WC
- höhenverstellbarer Waschtisch, der auch mit dem Rollstuhl angefahren werden kann
Grundsätzlich sollte das Wohnumfeld nach Möglichkeit viele freie Flächen und großzügigen Platz bieten.
Mobilität bei Parkinson
Im Sanitätshaus sind verschiedene medizinische Hilfsmittel erhältlich, die Parkinson-Betroffene dabei unterstützen, möglichst lange mobil zu bleiben. Dazu gehören unter anderem:
- Aufstehhilfen
- Nach vorne geneigte Sitzauflagen
- Rollator
- Rollstuhl
- Badewannenlifter (Bei pflegebedürftigen Personen)
- In manchen Fällen ist außerdem ein Hüftschutz empfehlenswert, der bei Stürzen vor Knochenbrüchen bewahren kann
Alltagshilfen für Menschen mit Parkinson
Die Feinmotorik der Hände ist bei Parkinson häufig eingeschränkt. Hier gibt es Hilfsmittel, die bei alltäglichen Tätigkeiten unterstützen können, wie zum Beispiel:
- spezielles Besteck
- Knöpfhilfen und Reißverschlusshilfen
- Rufanlagen und Sprachsteuerungen zur Bedienung von Telefon, Lichtschaltern oder Fernseher
- Hausnotruf, damit im Fall eines Sturzes schnell Hilfe kommen kann
Hinweise & Disclaimer:
Die auf dieser Seite bereitgestellten Informationen ersetzen keine ärztliche Diagnose. Lass anhaltende oder starke Beschwerden bitte medizinisch abklären.
Ausführliche Informationen zum Thema Idiopathisches Parkinson-Syndrom gibt es unter anderem hier:
Deutsche Parkinson Hilfe e.V.
Deutsche Parkinson Vereinigung
https://parkinson-gesellschaft.de/fuer-betroffene/die-parkinson-krankheit