Diabetischer Fuß: Symptome erkennen und richtig behandeln


Füße brauchen gerade bei Diabetes oft mehr Aufmerksamkeit, als man denkt. Ein diabetischer Fuß entwickelt sich meist schleichend, ohne dass du es anfangs bemerkst. Fehlendes Schmerzempfinden ist bei dieser Erkrankung die Tücke. In diesem Ratgeber erfährst du, worauf du achten musst, wie du Symptome richtig einordnest und warum kleine Veränderungen am Fuß bereits große Aufmerksamkeit verlangen.
Person greift sich an die Fußsohle

Was bedeutet diabetischer Fuß?

Ein diabetischer Fuß (oder: diabetisches Fußsyndrom) ist eine mögliche Folge von Diabetes, bei der die Füße besonders anfällig für Wunden, Scheuerstellen, Druckstellen und Entzündungen werden. Dahinter steckt ein schleichender Prozess: Durch einen langjährig erhöhten Blutzucker werden die Nerven und die Durchblutung nach und nach immer mehr geschädigt.

Die Folge davon ist ein vermindertes Gefühl am Fuß. Weil die Nervenschädigung die Wahrnehmung trübt, spüren Betroffene Verletzungen oder drückende Stellen oft gar nicht oder nur sehr schwach. Normalerweise merkt man sofort, wenn beispielsweise ein kleiner Stein im Schuh stört. Bei einem diabetischen Fuß fehlt diese wichtige Warnung oft.

Polyneuropathie

Bei den auftretenden Missempfindungen, die aufgrund von Nervenschäden entstehen, die Sinnesreize fehlerhaft weiterleiten, handelt es sich um eine sogenannte Polyneuropathie. Eine Nervenerkrankung, die nicht nur als Spätfolge der Zuckerkrankheit auftreten kann.

Diabetischer Fuß im Frühstadium: Diese Warnzeichen sollten ernst genommen werden

Viele Anzeichen zeigen sich schon früh, noch bevor eine größere Wunde entsteht. Das ist die Phase, in der man besonders achtsam sein sollte. Da die Veränderungen oft schleichend kommen, hilft es, auf folgende Signale zu achten:

  • Missempfindungen: Häufiges Kribbeln, Brennen oder ein taubes Gefühl in den Zehen oder Fußsohlen.
     
  • Verlust der Wahrnehmung: Wärme, Kälte oder Druck im Schuh wird weniger intensiv als früher gespürt.
     
  • Hautveränderungen: Die Haut am Fuß wirkt trocken und rissig. Auch Blasen Druck- oder Scheuerstellen bilden sich schneller.
     
  • Langsame Heilung: Selbst kleine Kratzer oder Wunden brauchen ungewöhnlich lange, um sich zu schließen.
     
  • Scheuerstellen: Auf Bereiche, an denen etwas scheuert (z.B. Schuh / Kleidungsstücke) sollte geachtet werden.

Vor allem ältere Menschen haben häufig eine dünnere Haut, was durch bestimmte Medikamente (z.B. Kortisonpräparate oder Blutverdünner) zusätzlich verstärkt werden kann. Dadurch können bereits geringe Druck- oder Scherbelastungen zu Hautschäden führen.

Hinweis:

Sollten die genannten Symptome neu auftreten oder stärker werden, sollte auf keinen Fall abgewartet, sondern direkt gehandelt werden, bevor größere Schäden entstehen.

Diabetischer Fuß im fortgeschrittenen Stadium

Wenn die Erkrankung weiter fortschreitet, verändern sich die Füße sichtbarer. In dieser Phase ist es wichtig, die Signale richtig einzuordnen und zeitnah professionelle Hilfe zu suchen. Dabei kann man besonders auf folgende Anzeichen achten:

  • Veränderte Wunden: Offene Stellen, die tiefer werden oder trotz Behandlung nicht abheilen wollen.
     
  • Sichtbare Entzündungen: Starke Rötungen, Schwellungen oder die Bildung von Eiter. Auch ein unangenehmer Geruch oder nässende Stellen sind ernste Signale.
     
  • Verfärbungen: Dunkle, bläuliche oder sogar schwarze Hautareale weisen auf eine stark gestörte Durchblutung oder absterbendes Gewebe hin.
     
  • Widersprüchliches Schmerzempfinden: Es kann entweder eine Überempfindlichkeit bei Berührungen, starke stechende Schmerzen (vor allem nachts)  auftreten oder es herrscht auffällig wenig Gefühl.
     
  • Allgemeinbefinden: Begleitendes Fieber oder ein allgemeines Krankheitsgefühl können darauf hindeuten, dass eine Entzündung bereits den gesamten Körper belastet.

Wichtig:

Unbehandelte Verletzungen können zu einer Blutvergiftung (Sepsis) führen. Vor allem wenn grippeähnliche Symptome auftreten (Fieber, Herzrasen,...) muss sofort gehandelt werden!

Weitere Infos zu Sepsis: Sepsis: Ein Notfall, der jede:n treffen kann. 

Person sitzt auf einem Behandlungsstuhl und erhält eine podologische Fußpflege
© Artem Zakharov | iStockphoto

Behandlung: Was jetzt wichtig ist

Die passende Behandlung richtet sich immer nach dem individuellen Stand der Erkrankung. Es macht einen Unterschied, ob es um ein frühes Stadium, eine akute Wunde, eine Entzündung oder eine stärkere Durchblutungsstörung geht. In jedem Fall gilt: Eine ärztliche Abklärung ist unerlässlich und sollte einer Selbstbehandlung immer vorgezogen werden.

Um die Füße langfristig zu schützen, sind vor allem eine regelmäßige Kontrolle  von Haut, Nägeln und Fußsohlen sowie eine gute Einstellung des Blutzuckers entscheidend. Diabetolog*innen helfen dabei, Risiken frühzeitig zu erkennen und Komplikationen zu vermeiden. Auch medizinische Fußpflege bei Diabetes, hilft dabei, Risiken frühzeitig zu minimieren. Zudem sollte auf eine konsequente Druckentlastung bei wunden Stellen und passende Schuhe ohne Reibung geachtet werden, ergänzt durch eine fachgerechte Wundversorgung.

Zu Hause hilft eine einfache Routine, die Sicherheit im Alltag gibt. Gerade ältere Menschen benötigen hierbei oft Unterstützung von ihren Angehörigen, zum Beispiel wenn die Sehkraft nachlässt oder das Bewusstsein für die Thematik fehlt. Wenn du jemanden mit Diabetes begleitest, könnt ihr gemeinsam auf Folgendes achten:

  • Täglicher Check: Die Füße konsequent nach neuen Druckstellen, Scheuerstellen oder Rötungen absuchen.
     
  • Sorgfältige Pflege: Die Zehenzwischenräume nach dem Waschen immer gut abtrocknen, um Infektionen vorzubeugen.
     
  • Schuh-Check: Die Innenseite der Schuhe vor dem Anziehen mit der Hand auf Fremdkörper oder Falten prüfen.
     
  • Verletzungsschutz: Grundsätzlich nicht barfuß laufen, um das Risiko für unbemerkte Verletzungen zu senken.
     
© Andrey_Popov | Shutterstock

Hilfsmittel aus dem Sanitätshaus bei diabetischem Fuß

Ein Sanitätshaus kann dich dabei unterstützen, passende Hilfsmittel für den Alltag zu finden. Der Fokus liegt hier vor allem auf Lösungen, die den Druck reduzieren, Reibung vermeiden und dir die tägliche Fußpflege erleichtern. Dabei geht es hauptsächlich um praktische Unterstützung für dein Wohlbefinden.

Sinnvoll sind vor allem Produkte, die speziell auf die Bedürfnisse empfindlicher Füße zugeschnitten sind:

  • Diabetiker-Socken: Diese Socken bestehen aus besonders weichem Material und kommen ohne einschneidenden Bund aus. So wird sichergestellt, dass die Durchblutung nicht behindert wird.
     
  • Passendes Schuhwerk (Diabetiker-Schutzschuhe): Schuhe sollten ausreichend Platz für Zehen und Vorfuß bieten. Gleichzeitig dürfen sie nicht so locker sitzen, dass man im Schuh hin und her rutscht und dadurch Scheuerstellen entstehen.
     
    • Bei komplexeren Fällen könnten auch orthopädische Maßschuhe sinnvoll sein.
       
  • Druckentlastende Einlagen: Nach einer fachlichen Empfehlung können spezielle Einlagen helfen, das Körpergewicht gleichmäßiger zu verteilen und Belastungsspitzen zu vermeiden.
     
  • Abrollhilfen & Sohlenversteifungen: Die Schuhsohle wird versteift und / oder vorne abgerundet, um den abrollenden Fuß zu entlasten und den Gang auszugleichen.
     
  • Pflege und Kontrolle: Hochwertige Pflegeprodukte für trockene Haut sowie praktische Alltagshilfen wie Spiegel oder Greifhilfen unterstützen dabei, die Füße auch bei eingeschränkter Beweglichkeit gut im Blick zu behalten.

Gut ist zu wissen:

Hilfsmittel ersetzen keine ärztliche Behandlung. Sie sind jedoch wertvolle Begleiter, um diabetische Füße im Alltag besser zu schützen und Verletzungen aktiv vorzubeugen.

Häufige Fragen zum diabetischen Fuß

Hinweise & Disclaimer:

Die auf dieser Seite bereitgestellten Informationen ersetzen keine ärztliche Diagnose. Lass anhaltende oder starke Beschwerden bitte medizinisch abklären.